ARBEIT

50 plus: Neue Jobs in Aussicht

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Mit etwas Hilfe kommt auch er zu einem neuen Job.

Von den 250 Mitarbeitern bei Müller Martini im thurgauischen Felben, die demnächst auf der Strasse stehen, sind fast die Hälfte 50 Jahre und älter. Der Verband Angestellte Schweiz ist optimistisch, dass auch sie eine neue Stellen finden werden, schreibt Inge Staub in der "Thurgauer Zeitung".

Die Nachricht, dass das Werk in Felben-Wellhausen geschlossen werden soll, schockierte die 250 Mitarbeiter von Müller Martini letzte Woche. 47 Prozent sind über 50 Jahre alt. Das Unternehmen hat eine Stammbelegschaft, die der Firma Jahrzehnte treu geblieben ist.

"Sollten wir nicht verhindern können, dass das Werk geschlossen wird, wird es für uns eine besondere Herausforderung sein, den Betroffenen zu einem neuen Job zu verhelfen", sagt Alois Düring, Regionalsekretär Angestellte Schweiz Region Ostschweiz.

In den vergangenen Wochen haben verschiedene Medien darüber berichtet, dass immer häufiger die Generation 50 plus von Entlassungen betroffen sei und dass nur wenige Unternehmen bereit seien, ältere Menschen einzustellen. In diesen Klagegesang will Alois Düring nicht mit einstimmen.

"Wir werden für alle Mitarbeiter, die bei Müller Martini entlassen werden, einen Job finden - auch für die Älteren", sagt er optimistisch. Düring kann diesbezüglich Erfolge vorweisen. Letzten Oktober erhielten 30 Mitarbeiter der Lichttechnikfirma Tridonic in Ennenda GL die Kündigung.

Heute hat jeder dieser 30 Personen eine neue Stelle. Dies haben die meisten dem Verband Angestellte Schweiz zu verdanken. "Wir arbeiten seit zehn Jahren sehr erfolgreich mit einer Firma zusammen, die Fachkräfte darin unterstützt, sich beruflich neu zu positionieren", sagt Düring, der stolz auf die Vermittlungsquote von 95 Prozent seines Verbandes ist.

Die Angestellten Schweiz nehmen die Dienstleistungen der Bridgestep AG in Zürich Seefeld in Anspruch. Dieses Unternehmen ist auf Outplacement spezialisiert. Es erstellt mit Stellensuchenden ein Qualifikationsprofil und entwickelt mit ihnen eine individuelle Bewerbungsstrategie.

Im Fall von Müller Martini haben die Arbeitnehmerverbände und Gewerkschaften folgendes Szenario geplant: Zunächst verhandeln sie mit dem Unternehmen darüber, das Werk in Felben zu erhalten. Sie schlagen vor, dass sich die Firma auf andere Produkte fokussiert.

Sollte dies nicht gelingen, verhandeln sie über einen Sozialplan. Dabei steht nicht das Erwirken hoher Abfindungen im Zentrum. Unter dem Titel "Arbeit vor Geld" wollen Verbände und Gewerkschaften erreichen, dass die Betroffenen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt werden.

Dies bedeutet: Müller Martini übernimmt die Kosten für das Outplacement. Das Unternehmen würde durch eine Schliessung des Werkes 80 Millionen Franken sparen. Deshalb erwartet Alois Düring, dass Müller Martini Geld investiert, damit die Mitarbeiter eine neue Stelle finden.

Kommt dieses Arrangement zustande, würde mit jedem Betroffenen eine Standortbestimmung durchgeführt und die Bewerbungsphase begleitet. "Mit dem Outplacement erhalten auch die älteren Mitarbeiter von Müller Martini eine Perspektive. Das kostet einfach auch Geld", betont Düring.

Diese zuversichtliche Haltung teilt Gregor Reinhard. Er ist Geschäftsführer der Bridgestep AG. Das grösste Problem, das sich für ältere Menschen bei der Stellensuche ergebe, ist seiner Meinung nach, dass diese immer wieder lesen müssten, dass es für die Generation 50 plus schwierig sei, wieder einen Job zu finden.

"Das brennen sie dann auf ihrer Festplatte ein und bewerben sich mit leicht angezogener Handbremse." Gregor Reinhard rät: Über 50-Jährige sollten sich nicht als Bittsteller fühlen. Sie sollten aus ihrer Stärke agieren. Sie sollten mit ihren Netzwerken arbeiten und direkt auf Unternehmen zugehen. Reinhard verweist darauf, dass 65 bis 70 Prozent der vakanten Stellen nicht ausgeschrieben werden.

In diesem verdeckten Arbeitsmarkt sollten Stellensuchende Informationen sammeln. Oftmals könnten Freunde oder Verwandte einen neuen Job vermitteln. Reinhard spricht dabei von "aktiver Stellensuche". Passive Stellensuche ist, zu warten, bis ein Unternehmen einen Job anbietet.

"Stellensuchende sollten aktiv sein, sich selbst gut verkaufen und mit einer positiven Einstellung an die Sache herangehen." Auch Danilo Ronzani, Regionalsekretär der Syna Ostschweiz, unterstützt über 50-Jährige bei der Stellensuche.

Er stellt fest, dass viele Arbeitnehmer ab Mitte 45 keine Weiterbildungen mehr machten. "Dadurch verpassen sie den Anschluss."

Er rät dazu, ab 45 ständig dazuzulernen. Auch wenn die Familie in dieser Phase die Ausbildung der Kinder finanzieren müsse, dürfe man die eigene Weiterbildung nicht vernachlässigen.