Kinder, Kinder! – Patchworkprobleme nach 50

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Anspruchsvoll und immer in Gefahr, auseinanderzufallen: Patchwork-Familie (Foto: Sandy Millar on Unsplash)

Wenn zwei Menschen sich treffen und eine Beziehung eingehen, müssen zwei Lebensentwürfe miteinander in Einklang gebracht werden. Nun könnte man denken, mit zunehmendem Alter würden die Hürden und Stolpersteine ein wenig kleiner. Leider nicht...

Schliesslich sind die Kinder meist gross und schon lange aus dem Haus und man hat im Leben schon einiges erlebt. Aber egal, wie sturmerprobt wir uns wähnen, oft holt die Realität uns auf ihre ganz eigene Weise ein. 

Die lieben Kleinen

Wenn Kinder ins Spiel kommen, wird es meist kompliziert. Sind die Kinder klein, gibt es womöglich ausgeklügelte Betreuungspläne einzuhalten, Urlaub nur in den Schulferien und oft schlägt sich die Situation auch auf das Einkommen nieder und Unterhaltszahlungen verknappen das Budget. 

Der demogaphische Wandel hat auch in der Schweiz dazu geführt, dass Frauen durchschnittlich immer später Mütter werden. Lange Ausbildungszeiten, ein später Eintritt in den Beruf und eine generelle Veränderung der Lebens- und Verhaltensweisen sind dafür verantwortlich. So haben Männer und Frauen über 50 häufig noch Kinder in schulpflichtigem Alter. 

Dass der Nachwuchs eine Patchwork-Familie vor grosse Herausforderungen stellt, ist hinlänglich bekannt. Wohl ein jeder weiss Geschichten aus eigener Erfahrung oder dem Bekanntenkreis zu berichten, wie rebellische Kids das Liebesleben ihrer bindungswilligen Elternteile sabotieren.

Der muffelige Teenager, der mit dem Freund der Mutter kein Wort spricht oder die Tochter, die der neuen Freundin des Vaters das Leben schwer macht … Zahllose Beziehungen sind daran bereits gescheitert. 

Die lieben Grossen?

Da ist es doch viel besser, wenn die Kinder gross sind, lange aus dem Haus, mit eigenen Familien und ihrem eigenen Leben. Oder? Leider nicht. Denn wenn Mutter oder Vater ihre neue Liebe vorstellen, kommt es trotzdem häufig zu Problemen: Vielleicht hat die Oma weniger Zeit für ihren Enkel und fährt lieber mit dem neuen Freund in die Berge, statt jedes Wochenende Babysitter zu spielen. Oder Papas Neue ist ganz anders als die Mama und einfach unmöglich.  

Kinder wünschen sich oft, dass ihre Eltern nach einer Trennung oder dem Verlust des Partners eine neue Liebe finden. Wenn es dann aber so weit ist, reagieren sie mit Missbilligung. Erwachsene Kinder haben eine Idealvorstellung ihrer Eltern und in dieser ist kein Platz für neue Partner. Sie haben das Gefühl, die Mutter oder der Vater werde einfach ersetzt. 

Manchmal akzeptieren sie zwar den oder die Neue/n, aber sobald von Heirat die Rede ist, stehen die Zeichen wieder auf Sturm. Es schmerzt die Kinder, wenn ein Elternteil mit einem anderen Menschen neues Glück erlebt und eine Heirat macht dies endgültig. Zudem stehen dem neuen Partner auch die entsprechenden Erbansprüche zu – was bei der übrigen Familie meist nicht ganz so gut ankommt. 

Offene Worte

Viele Kinder sehen ihre Eltern mit anderen Augen: Dass sie ein Liebesleben haben, erscheint (auch erwachsenen) Kindern häufig geradezu absurd. Hier hilft ein offenes Gespräch über Bedürfnisse und Wünsche.

Natürlich lieben Sie Ihre Kinder über alles, aber die Nähe und Zärtlichkeit, die Sie brauchen, bekommen Sie eben nur in einem partnerschaftlichen Verhältnis.
Vielleicht ist ein kritischer Blick des Nachwuchses ja auch hilfreich, die rosarote Brille des Verliebtseins einmal kurz abzunehmen und die Partnerschaft auf Realitätsebene zu betrachten.

Nehmen Sie die Sorgen und Ängste Ihrer Kinder ernst, aber behaupten Sie auch Ihr Recht auf Liebe.  Vielleicht gewöhnen sich Ihre Kids irgendwann an den oder die Neue, vielleicht auch nicht. Sie sollten Ihre neue Liebe auf jeden Fall geniessen.