AGILES ALTER

Das gute Leben beginnt erst mit 65

Pensionierung ist der Anfang, nicht das Ende des guten Lebens.

Nach dem Ende der Lebensarbeitszeit fallen vielen Senioren in ein Loch, aus dem so mancher nicht herauskommt. Weniger Geld, keine echten Aufgaben mehr. Es geht auch anders.

Kommen die Altersgebrechen, wähnen sich viele auf einem regelrechten Abstellgleis und so mancher "wartet" nur auf den Tod. Dabei ist gerade das Umgekehrte der Fall: Jetzt beginnt das gute Leben, schreibt "lr-online.de".

Jetzt sind alle Möglichkeiten da und längst nicht jede davon hat mit Geld zu tun. Was man tun sollte und was definitiv nicht, das verrät der folgende Artikel.

Lächle, denn Altwerden ist okay

Altern: Das gilt in unserer Hochleistungsgesellschaft als Stigma. Eigentlich. Denn realistisch betrachtet ist das "heutige Alt" nicht mit dem von vor einigen Jahrzehnten zu vergleichen.

Senioren früher: Wirklich auf dem Abstellgleis Man muss gar nicht weit zurückgehen, um zu erkennen, dass die heutige Rentnergeneration körperlich und geistig so fit ist, wie keine zuvor.

Das zeigt schon die Geschichte des Rentensystems. Früher gab es viel weniger Arbeitsschutzmassnahmen, viel längere Arbeitszeiten und dutzende andere Faktoren, die zusammen eines bewirkten: Wer in Rente ging, hatte es bitter nötig, denn er war so "kaputt", dass er einfach nicht mehr arbeiten konnte.

Heute hingegen sind sogar typische "Senioren-Geisseln" wie Arthritis heilbar geworden, Rentner werden immer fitter.

Zuversicht ist en vogue

Überdies ist nicht nur die körperliche Verfassung besser, sondern auch die Stimmungslage: Denn fragt man sowohl heutige wie künftige Rentner, sind deren Zukunftsaussichten wesentlich positiver als viele glauben, so eine aktuelle Online-Umfrage. 62 Prozent der Deutschen schauen zuversichtlich in Richtung Rente.

Interessant: Je älter die Befragten, desto grösser der Prozentsatz der Zufriedenen. Die grösste Angst ist meist "nur noch" finanzieller Natur. Aber die mannigfaltigen Krankheiten, welche frühere Senioren-Generationen plagten, tauchen praktisch nicht mehr auf. Lediglich das Thema Pflegebedürftigkeit verbleibt als Damoklesschwert.

Die Sache mit der Lebenszeit

Eben diese Pflege-Panik hat einen durchaus positiven Hintergrund: Heutige Senioren leben im Schnitt wesentlich länger. In den 1960ern lag die Lebenserwartung bei Männern im Schnitt noch bei 66,9 Jahren - heute sprechen wir von fast 79 Jahren.

Wer früher Rentner war, musste sich wenig Sorgen um Pflege machen, weil sein Körper wahrscheinlich viel früher aufgab, lange bevor das Thema akut wurde. So negativ wie das vielleicht klingt, ist es nicht.

Denn echter Pflegebedarf wird erst in höheren Altersklassen bedeutsam. Bei den 75- bis 80-jährigen sind es beispielsweise nur 9,9 Prozent! Zu verdanken ist das vornehmlich einer stark verbesserten medizinischen Versorgung von der Wiege bis zur Bahre:

· Schwangerschaftsüberwachung
· Impfungen · Diagnostik
· Checkup-Untersuchungen
· Weiterentwicklung von Medikamenten

Das sind alles Faktoren, die nicht nur dazu beitragen, dass Menschen generell älter werden, sondern dies bei guter Gesundheit tun. Wer heute Rentner ist, dem steht, allen Unkenrufen zum Trotz, eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme zur Verfügung.

Selbst in vielen Erstweltländern müssen Senioren mit wesentlich weniger auskommen.

Eine Sache der Einstellung

Die äusseren Faktoren stimmen. Doch um ein gutes Seniorenleben zu geniessen, kommt es auf die eigene Sichtweise an. Und gerade hier hapert es oft und das meist grundlos.

Die grundlegendste Basis dabei ist es, die Rente als "gesprengte Ketten" zu begreifen. Denn ganz gleich ob man nun zu den Glücklichen gehört, die schon mit 63 in Rente gehen dürfen, oder erst später: Das Ende der Lebensarbeitszeit befreit einen von der Pflicht, für seinen Lebensunterhalt durch Arbeit aufkommen zu müssen.

Ganz gleich wo man sich befindet, was man tut, am Monatsanfang landet die Rente auf dem Konto. Es gibt nur noch eine Verpflichtung: Sich glücklich zu machen und das Leben zu geniessen.

Grosse Pläne, nicht teure Pläne

Doch gerade hier tun sich viele schwer. Sie sehen die Rente, die natürlich mit einem gehörigen Abschlag gegenüber dem einstigen Gehalt verbunden ist, nur als Abstrich an, der ihr Leben negativ beeinflusst.

Das mag zwar bei manchen stimmen. Doch um glücklich zu sein, braucht es keine teuren Pläne. Es braucht Visionen, die überdauern. Nicht die teure Kreuzfahrt, nicht das dicke Auto. Sondern einen langfristigen Plan, der glücklich macht.

Wer in Rente geht, hat immerhin schon rein statistisch noch zwölf Jahre, meist wesentlich mehr, vor sich.

Liebe deinen Nächsten...

Hier kommt einer der wichtigsten Faktoren des Glücks zum Tragen: Feste Beziehungen. Familie, Freunde, Nachbarschaft, kurz: Soziale Kontakte. Als Rentner ist es an der Zeit, seine Freiheit zu nutzen und diesen, im Arbeitsalltag oft vernachlässigten Beziehungen wieder Raum zu verschaffen.

Beenden wir die Neidkultur, pfeifen wir auf die argwöhnischen Blicke auf Besitz. Es braucht nur ein Lächeln, ein freundliches Wort. Denn Zufriedenheit entsteht nicht aus Materiellem, sondern zwischenmenschlichen Faktoren.

...und dich selbst

Doch es geht nicht ohne (etwas) Egoismus: Wer ein glücklicher Rentner sein will, muss dafür sorgen, dass sein Körper mitmacht. Er muss Vorsorgeangebote ebenso wahrnehmen, wie er die Reife benötigt, Dinge zu vermeiden, die ein älterer Körper einfach nicht mehr mit jugendlicher Leichtigkeit leisten kann.

Natürlich bedeutet das gewisse Abstriche. Doch die belasten nur denjenigen, der es nicht schafft, sich daran zu erfreuen, dass ihm zwar etwas genommen, dafür aber etwas anderes gegeben wurde.

Arbeit ist Arbeit, nicht Lebensmittelpunkt

Die vergangenen Jahrzehnte haben viele Workaholics herangezüchtet. Für viele Menschen stellt ihr beruflicher Erfolg das wichtigste Eichmass persönlicher Zufriedenheit dar. Gerade diese Personen sind es, die mit dem Renteneintritt unglücklich werden, weil Karriere und Co. vorbei sind.

Dabei ist der Trick so einfach: Egal wie man früher dazu stand, Arbeit ist immer nur ein Vehikel, das einem Geld einbringt. Nicht mehr und nicht weniger. All das, was viele glauben lässt, Arbeit wäre ihr Lebensmittelpunkt, lässt sich auch auf andere Weise erreichen:

· Herausforderungen
· Führungsanspruch
· Unterschiedliche Projekte
· Kollegialität
· Leistung

Das alles lässt sich vom Sportverein bis zur Parteiarbeit auch ohne Job replizieren. Die typisch deutsche Mentalität "leben, um zu arbeiten" bedarf keines Berufs, sondern einer ausfüllenden Tätigkeit und die gibt es auch im Rentenalter zu Genüge.

Wo leben wir denn? Ein letzter Punkt der inneren Einstellung sollte unserem Lebensumfeld gelten. Denn wir leben in einem sicheren, gut versorgten und lebenswerten Land. Es gibt Vereine, Clubs, Seniorenportale und -treffs.

Selbst wenn es immer wieder medial die Runde macht: Niemand muss befürchten, hierzulande vereinsamt oder unglücklich zu sterben. Es gibt abertausende Angebote, die jeden glücklich machen können. Man muss sie nur nutzen.

Wie man sich das Alter wirklich unattraktiv macht

Glück ist in weiten Teilen Einstellungssache. Das wurde bereits bewiesen. Daraus ergibt sich eine Liste an Dingen, die man nur dann tun sollte, wenn man eben nicht zufrieden sein möchte.

Langeweile ist in jeder Lebensphase Gift. Doch wenn man zulässt, dass jeder Rententag eine Abfolge immer gleicher Tätigkeiten wird, hat das besonders schwere Auswirkungen. Es gibt an jedem Tag die Option, Neues zu entdecken, man muss sie nur ergreifen.

Der grösste Feind, das Sofa. Die ersten Rentenwochen erscheinen den meisten nur als grosser Urlaub. Und wo begeht man den? Auf der Couch. Doch viele schaffen den Absprung nicht. Sie werden zu "Fernseh-Zombies", fühlen sich zwar glücklich, aber sind es nicht.

Zudem hat Fernsehen wegen seiner praktisch bewegungslosen Natur auch negative Auswirkungen auf den Kreislauf und entgegen dem ähnlich wenig anstrengenden Lesen trainiert es nicht mal das Gehirn.

Wer sich äusserlich schleifen lässt, verkommt innerlich

Keine Firma mit Kleiderordnung mehr. Keine Kunden, für die man sich allmorgendlich schick anziehen müsste. Viele Senioren verleitet das dazu, ihr Leben buchstäblich im Jogginganzug zu verbringen. Insbesondere bei vielen Alleinlebenden geht sogar das Gefühl für Körperhygiene verloren.

Wen sollen die ungeputzten Zähne auch stören? Doch dieser Gedankengang ist brandgefährlich. Denn das äussere Schleifenlassen überträgt sich rasend schnell auf den Körper. Nicht nur in Sachen Zahnpflege, sondern auch was die Mentalität betrifft.

Rente ist für viele Grund, Bilanz zu ziehen. Darin lauert eine sehr gut getarnte Gefahr. Nämlich die, unzufrieden zu werden. Aus vielen Jahren Distanz ist Kritik an früheren Verhaltensweisen sehr einfach: "Könnte ich mich da doch nochmal anders entscheiden" ist die verlockende Denkweise, die dazu verleitet, im Zweifelsfall das ganze bisherige Leben als Fehlentscheidung anzusehen.

Die Alters-Hypochondrie

Je älter man wird, desto wahrscheinlicher wird es, dass einzelne "Bauteile" des Körpers durch Alterungsprozesse schlappmachen. Das ist unabwendbar. Doch daraus erwächst bei vielen Senioren eine regelrechte Hypochondrie.

Jedes Zipperlein ein Gang zum Arzt, jeder Schmerz ein potenzieller Nachweis, dass es bald mit einem zu Ende geht. Dabei ist übertriebene Sorge um seine Gesundheit im Alter nur für eines ein Nachweis: dass man Langeweile hat und dadurch zu viel in sich hineinhorcht. Dann sieht man plötzlich Krankheiten, wo keine sind.

Fakt ist, wer sich einmal jährlich beim Arzt durchchecken lässt, muss auch jenseits der 70 wenig befürchten.

Das alltägliche Glück suchen und finden

Wie man es nicht tun sollte, haben wir im zurückliegenden Kapitel aufgezeigt. Doch wie sollte man es denn dann besser machen? Eigentlich ist es ziemlich einfach, sofern man die Lehren aus dem zweiten Kapitel verstanden hat und lernt, das Glück im Kleinen zu sehen, sich selbst und seine Nächsten zu lieben.

Die Zeit nutzen Rentner zu sein, bedeutet nicht, dass Gevatter Tod morgen an die Türe klopft. Im Gegenteil, rechnet man die Zeit aus dem Arbeitsleben heraus, in der man arbeitete, pendelte und aus sonstigen Gründen nicht für sich nutzen konnte, sind die zwölf, fünfzehn Rentenjahre, die einem mindestens verbleiben, fast ebenso lang wie die Lebensarbeits-Freizeit.

Doch diese Zeit sollte man auch nutzen. Nichts aufschieben, sondern jetzt agieren. Denn nochmal: Es hindert einen nichts und niemand daran, genau das zu tun, wonach einem der Sinn steht. Es gibt einfach keine Gründe, etwas auf morgen zu verschieben.

Fit im Körper, fit im Geiste

Viele glauben, dass Körper und Geist im Alter unabwendbar nachlassen. Das stimmt zwar, aber nur zu einem gewissen Teil. Denn es ist eher so, dass nur die Bereiche unserer Fertigkeiten nachlassen, die wir nicht benutzen.

Vom Gehirn weiss die Forschung beispielsweise, dass es durch die vielen gespeicherten Lebenserfahrungen mit manchen Aufgaben sogar besser in älteren als in jungen Jahren umgehen kann.

Auch der Körper, namentlich unsere Muskulatur, baut nur dann ab, wenn man ihn nicht regelmässig nutzt. Das ist ein weiterer Aspekt gegen die erwähnten "Fernseh-Zombies". Es sollte Grund genug sein, Körper und Geist alltäglich neuen Herausforderungen zu stellen, egal wie klein sie sind.

Zusammenfassung und Fazit

Die Rente ist nicht der Anfang vom Ende, sondern tatsächlich eine der vielleicht schönsten Lebensphasen, die wir haben. Wir sind frei von den Sorgen des Alltäglichen, unabhängig von Arbeit und anderem. Doch man muss lernen, diese Situation richtig zu nutzen.

Denn Freiheit bedingt immer, sie so zu modellieren, dass sie einem nützt und nicht schädigt. Das geht, bei jedem Senior und vor allem auch ohne gut gefülltes Portemonnaie.

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