50 IST DAS NEUE 30

Über die Kunst, das Altern aufzuhalten

Anti-Aging 50plus, Gesundheit 50plus, freie Radikale 50plus

Das Rezept ist einfach: viel Bewegung, viel frische Früchte, guter Sonnenschutz.

In früheren Zeiten war die 50 noch eine gefürchtete Zahl. Heute hat sie viel von ihrem Schrecken verloren. Ein Anti-Aging-Experte verrät das Geheimnis im Interview mit Kerstin Quassowsky von der „Bild am Sonntag“.

Hier erzählt ein Anti-Aging-Experte Prof. Christoph Bamberger über die Kunst, das Altern aufzuhalten:

"Bild am Sonntag": Können Sie bestätigen, dass Frauen und Männer um die 50 heute jünger aussehen als die Generationen der 50-Jährigen davor?
Professor Christoph Bamberger: Ja, dem kann ich aus meiner langjährigen Praxis heraus hundertprozentig zustimmen. Dieser Effekt ist aber nur zum Teil dadurch erklärt, dass die Menschen heute biologisch jünger sind - im Schnitt fünf Jahre - als die Menschen gleichen Alters Jahrzehnte vor ihnen.

Was trägt denn zur Verjüngung bei?
Bamberger: Bei den "neuen 30-Jährigen" sind es vor allem ihre Einstellung ("Ich verzichte auf nichts, nur weil ich älter werde"), die Art sich zu kleiden, zu schminken und zu frisieren. Früher haben die Menschen sich viel früher entschieden, alt zu sein.

Haben sich auch unsere Gene verändert?
Bamberger: Nein. Dafür ist seit der Steinzeit evolutionsbiologisch nicht genug Zeit vergangen. Wir leben unter besseren Bedingungen, Krankheiten werden besser behandelt, wir haben genug zu essen, die Hygienebedingungen sind gut. Außerdem haben sich die Arbeitsbedingungen positiv verändert. Eine große Rolle spielt der verbesserte Arbeitsschutz. Auch Hausarbeit war früher körperlich sehr viel anstrengender als heute. Die Familien waren deutlich größer, für die vielen Kinder wurde auf einem Herd gekocht, für den die Kohlen aus dem Keller in den vierten Stock geschleppt werden mussten. Auch Waschmaschinen gab es keine. Um den Alltag zu bewältigen, musste körperlich schwer geschuftet werden.

Was spielt noch eine Rolle?
Bamberger: Auch geben wir viel besser auf unsere Haut acht, benutzen hohe Sonnenschutzfaktoren, die es früher nicht gab, und verwenden Kosmetikprodukte mit einer echten verjüngenden Wirkung.

Haben sich vielleicht auch die Hormone verändert?
Bamberger: Nein. So treten die Wechseljahre bei den Frauen im Schnitt um das 50. Lebensjahr herum ein, das war schon früher so. Auch bei anderen Hormonen wie Testosteron oder Schilddrüsenhormonen gibt es keine signifikante Veränderung. Es sei denn, die Hormone werden substituiert, also von aussen zugeführt. Das hat dann schon einen sichtbar verjüngenden Effekt, der allerdings auch gewisse Risiken mit sich bringen kann.

Was genau lässt uns eigentlich altern?
Bamberger: Wir altern, weil jede einzelne unserer Billionen von Zellen altert. Die Zellalterung beruht wiederum auf der Wirkung von sogenannten freien Radikalen. Das sind Abfallprodukte des Zellstoffwechsels, die unsere Zellstrukturen permanent schädigen. Wir können nicht verhindern, dass diese Abfallprodukte entstehen, weswegen wir auch den Alterungsprozess nicht komplett aufhalten können.

Was aber sind entscheidende Faktoren, um lange jung zu bleiben oder umgekehrt, um schnell zu altern?
Bamberger: Alles, was die Bildung von freien Radikalen verstärkt, lässt uns schneller altern. In erster Linie gehört dazu Rauchen, chronischer Stress, UV-Licht und ungünstige Stoffwechselverhältnisse durch einen zu hohen Körperfettanteil.

Mit welcher Ernährung schafft man es, jünger auszusehen?
Bamberger: Auch hier kommen wir auf die freien Radikale zurück. Diese können wir zum Teil durch Zufuhr von "Radikalfängern" neutralisieren, also Antioxidantien, wie sie in Obst und Gemüse vorkommen. Deswegen gilt hinsichtlich des Obst- und Gemüsekonsums nach wie vor die "5 am Tag"-Regel. Auch Omega-3-Fettsäuren in fettem Seefisch haben einen starken gesundheitsfördernden und Anti-Aging-Effekt.

Wie funktioniert Anti-Aging mit Bewegung?
Bamberger: Erstaunlich gut. Geistig und körperlich in Bewegung zu bleiben, hält jung. Sobald wir uns komplett zur Ruhe setzen, verändert sich unser Stoffwechsel auf eine äusserst nachteilige Weise. Die Muskelmasse nimmt ab, die Fettmasse nimmt zu, unsere Gefässe werden einem Bombardement von Cholesterin und freien Radikalen ausgesetzt und verstopfen zusehends. Folge: Herzinfarkt, Schlaganfall, allgemeiner Abbau.

Welchen Anteil spielen die Gene der Eltern?
Bamberger: Der Lebensstil ist wichtiger als die Gene. Man schätzt, dass der Einfluss der Gene bei einem Drittel liegt. Ausgenommen sind die, bei denen Erbkrankheiten wie genetisch bedingter Brustkrebs oder Muskelschwund in der Familie vorkommen. Dann sollte man sich untersuchen lassen, um auszuschliessen, dass man betroffen ist.

Inwieweit können Gelassenheit und positives Denken beitragen, weniger Falten zu entwickeln?
Bamberger: Sehr viel. Vereinfacht lässt sich sagen: Ein Drittel machen die Gene aus, ein Drittel Lebensstil, ein Drittel die Psyche. Chronischer Stress spielt somit in der 1. Liga der Alt- und Krankmacher. Daher gehört es heute zu den Kernaufgaben, für sich persönlich einen Weg zu finden, um gelassener zu werden und mit negativen Gedanken und Gefühlen umgehen zu lernen. Und das so früh wie möglich.

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