GESUNDHEIT

Soziale Entsorgung!

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Kämpft vehement für die Rechte der 50plus: René Künzli, Präsident der TerzStiftung.

Viele Entlassungen und Pensionierungen laufen auf eine soziale Entsorgung hinaus: Es gibt auch bei uns Unternehmen, die rücksichtslos Mitarbeitenden zeigen, dass sie nicht mehr gebraucht werden, auf dem bisherigen Platz überflüssig oder durch kostengünstigere jüngere Nachfolger zu ersetzen sind. Wer derart entsorgt wird, fühlt sich nicht nur mit Recht gedemütigt, er (und häufig auch sie) sucht eine „Schuld“ bei sich und erkrankt daran, schreibt René Künzli, Präsident der terzStiftung.

Wenn jemand dann nur noch im Hausarzt einen verständnisvollen Ansprechpartner findet, wenn Gespräche im Wartezimmer bei den Besuchen in der Praxis die einzigen zwischenmenschlichen Kontakte bleiben, kann sich kein Selbstwertgefühl erholen oder gar aufbauen.

Sich Ziele zu setzen, für die man eigene Energie aufwendet, ist lebenswichtig. Wer keine Absichten mehr verfolgt, seine Lebenszeit untätig abwartet, der hat bald keinen Anlass mehr, auch nur vom Stuhl aufzustehen.

Nur wer noch Ziele und Aufgaben hat, wer sich etwas vornimmt und zumutet und es auch wirklich tut, der kann seinem Leben wieder Sinn geben. Nur wer noch gebraucht wird, erhält sich seine seelische Spannkraft, seine körperliche und geistige Mobilität.

Wer diesen Sinn, diese Mobilität verliert, der vergrössert erheblich die Krankheitsgefahr.

Untersuchungsergebnisse von Forschern aus Chicago weisen nach, dass diejenigen, die kein Ziel mehr im Leben verfolgen, deutlich früher sterben als Personen derselben Altersgruppe und vergleichbarer Lebensumstände, die noch ein solches Ziel haben.

Wer sich durch aktive Teilhabe am gesellschaftlichen (oder Familien-)Leben vor dem Stillstand oder gar dem Verknöchern schützt, der verlängert dadurch also sein Leben, wie bereits frühere Untersuchungen gezeigt hatten: Wer sich selbst und sein Alter positiv einschätzt, hat eine um Jahre höhere Lebenserwartung als derjenige, der nur die Verluste beklagt, die ihm die Jahre eingetragen haben.

Wir haben Einrichtungen für alles, was nicht unseren Normvorstellungen entspricht. Heime für Behinderte, Anstalten für schwer erziehbare Kinder, spezielle Heime für ältere Menschen - Altenheim, Pflegeheim, Heim für demenziell Erkrankte -, Sonderklassen für Hochbegabte und Nichtbegabte usw. Wir reissen die Gesellschaft dadurch gleichsam auseinander.

Zumindest schieben wir die Verantwortung für diejenigen, die nicht der Norm entsprechen, der Allgemeinheit zu, statt sie als persönliche Aufgabe anzusehen. Und wir nehmen dabei viel grössere Verluste im zwischenmenschlichen Bereich inkauf: Rücksichtnahme, Solidarität, Übernahme von Verantwortung für sich wie auch für den Nächsten und die Umwelt werden beiseite geschoben oder gar nicht eingeübt.

Das Gesundheitswesen hat schon lange nichts mehr nur mit Prophylaxe, Prävention und dem Ziel der Gesunderhaltung zu tun, sondern es ist eine grosse Reparaturwerkstatt unseres gesellschaftlichen Versagens geworden: Solange wir nach Selbstverwirklichung streben mit den hinlänglich bekannten Egotripps und nicht Solidarität in der Gesellschaft, Liebe, Respekt und Achtung gegenüber dem Nächsten ganz obenan stellen auf der Skala der allgemeinen und der persönlichen Werte, wird sich an den steigenden Gesundheitskosten nichts ändern.

Sie sind das Spiegelbild der gesellschaftlichen Orientierungslosigkeit, der fehlenden gelebten Werte. Die terzStiftung ist der Auffassung, dass es eine wichtige Aufgabe der älteren Menschen sein muss, diese fehlenden Werte wieder stärker zum Wohle aller in die Gesellschaft einzubringen.

www.terzstiftung.ch