Weshalb Ihr Körper den Mittagsschlaf liebt

In Spanien ist die Siesta, der landestypische Mittagsschlaf, fest im Tagesrhythmus eingeplant. Wie Forscher herausfanden, ist das sogar gesund!
Ein Mittagsschlaf tut gut
Ein Mittagsschlaf tut gut (Bild Kate Stone Matheson on Unsplash)

Unser Körper benötigt Schlaf - und zwar nicht nur den in der Nacht. Selbiger ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen, denn wer nachts zu wenig oder schlecht schläft, wacht am nächsten Morgen nicht nur gequält auf und ist den weiteren Tag über weniger leistungsfähig, auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Knochenabbau und Diabetes erhöht sich. Dass ein langer, erholsamer Nachtschlaf der Gesundheit förderlich ist, ist keinesfalls neu. Mittlerweile melden sich aber auch zusehends mehr Befürworter des Mittagsschlafes zu Wort: der steigert nämlich erheblich das Wohlbefinden, indem er dem Körper seinen aufgebauten Stress nimmt.

Die mittägliche Müdigkeit: warum dagegen ankämpfen der Gesundheit schädlich ist - und ein Mittagsschlaf gut

Nach dem Mittagessen stellt sich plötzlich eine bleierne Müdigkeit ein? Das liegt nicht etwa am zu üppigen Essen, sondern einem fest in unserem Biorhythmus verankerten Vorgang. Körper und Gehirn sind so eingestellt, dass sie eigentlich zweimal am Tag schlafen müssen: einmal kurz am Mittag und länger in der Nacht. Alles, was die Mahlzeit am Mittag macht, ist die Müdigkeit vorziehen. Die wird sich, bei Menschen die etwa 7 Uhr aufstehen, sowieso gegen 14 Uhr einstellen - das Mittagessen beschleunigt den biologischen Vorgang nur etwas. Gesund ist dann nach Möglichkeit ein kurzes Nickerchen einlegen schon deshalb, weil gegen Müdigkeit ankämpfen für uns Stress bedeutet: und eben dieser Stress kann dann eine Reihe von weiteren negativen Effekten anstossen.

Kein Tiefschlaf, sondern kurzes Nickerchen: so funktioniert Mittagsschlaf richtig

Damit aus dem Nickerchen am Mittag tatsächlich Wohlbefinden resultiert, gilt es einige Regeln einzuhalten:

  • ein Mittagsschlaf sollte niemals in die Tiefschlafphase übergehen, also nicht länger als 20 Minuten dauern
  • niemand sollte sich zur Siesta zwingen, denn dann findet unser Gehirn sowieso nicht in den Schlaf
  • der Mittagsschlaf sollte in einem ruhigen Umfeld, idealerweise einem Ruheraum, stattfinden

Wer nicht in der Lage ist bei der Arbeit einen Mittagsschlaf zu halten, was auf die meisten Menschen zutreffen dürfte, dem bleibt nur die Alternative der kurzfristigen Entspannung. Schlafforscher fanden heraus, dass eine kurze Ruhezeit zumindest ein wenig Stress abbaut und Erholung anbietet. Nicht vergleichbar mit dem Mittagsschlaf, aber zumindest eine adäquate Alternative. Dafür sollten Sie sich kurz die Zeit nehmen, um sich an einem bequemen Ort rund eine halbe bis volle Minute zurückzulehnen, die Augen zu schliessen und sich ganz bewusst nur um Ihre Entspannung "kümmern".

Diese positiven Effekte kann der Mittagsschlaf haben

Der offensichtlichste Vorteil: Sie werden wieder wach, die Müdigkeit verschwindet, Sie fühlen sich besser und Ihre Leistungs- sowie Konzentrationsfähigkeit steigert sich. Eine Studie der NASA ermittelte, dass die eigenen Piloten nach einem 20-minütigen Powernap leistungsfähiger und aufgeweckter waren als Kollegen, die kein Nickerchen hatten. Amerikanische Forscher fanden zudem heraus, dass sich die Aktivität unserer rechten Gehirnhälfte nach einer Siesta steigert. Das bedeutet, wir werden kreativer, denn die rechte Gehirnhälfte ist massgeblich für die eigene Kreativität verantwortlich. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus dem Verzicht, den uns die Siesta erst ermöglicht. Ist die Müdigkeit einmal weg, greifen wir weniger häufig zur Kaffeetasse, Raucher hingegen rauchen weniger, da Stress abgebaut wurde. Schlechte Angewohnheiten am Nachmittag lassen sich so also deutlich reduzieren.

So funktioniert der Mittagsschlaf richtig

In den wohlverdienten Schlaf müssen Sie selbst finden. Hilfreich ist dabei, wenn Sie die richtigen Voraussetzungen schaffen. Ausserdem sorgen die zugleich dafür, dass die Siesta nicht unnötig lange dauert. Wir erinnern uns: Mittagsschläfchen sollten nicht länger als 20 Minuten dauern! Schlafen Sie über eine Stunde, gehen nicht nur positive Effekte verloren, es könnten sich auch negative Begleiterscheinungen einstellen.

Achten Sie bei Ihrer Siesta darauf:

  • Mittags nicht im Bett, sondern eher einem Tagesbett, Ruhesessel oder auf einer Liege schlafen.
  • Den Raum nicht verdunkeln, so können Sie nach 20 Minuten leichter wieder aufwachen.
  • Koffein wirkt erst nach 30 Minuten, Sie könnten mit einer Tasse Kaffee vorher also selbige als Quasi-Wecker einsetzen.
  • Suchen Sie sich einen ruhigen Raum, der Sie von Ihrem eigentlichen Umfeld (beispielsweise der Arbeit) vollständig isoliert.

Der Mittagsschlaf ist also gesund, wird von unserem Körper und Gehirn schon aus biologischen Gründen eingefordert. Grund genug, es selbst einmal auszuprobieren - nur das Aufstehen nach rund 20 Minuten nicht vergessen!

Was passiert bei zu langem Mittagsschlaf?

Wissenschaftler ermittelten in einer Studie mit rund 300.000 Probanden ein erhöhtes Sterberisiko (30 %) bei Menschen, die einen ausgedehnten Mittagsschlaf halten. Die gleiche Gruppe wies zudem ein deutlich erhöhtes Risiko und Vorkommen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf.

Wann sollte man lieber keinen Mittagsschlaf machen?

Menschen, die am Abend nur sehr schwer einschlafen können, sollten sich die Siesta am Mittag lieber sparen. Schlafdruck baut sich im Körper kontinuierlich auf, ein Mittagsschlaf baut ihn hingegen ab. Damit fällt automatisch das Einschlafen am Abend schwerer.

Wann ist es für den Mittagsschlaf zu spät?

Unser Gehirn und Körper sind so eingestellt, dass sie spätestens bis 14 Uhr einen Mittagsschlaf einfordern. Alles vor 12 Uhr wäre, ausser für Menschen, die sehr früh aufstehen, schon zu früh. Nach 15 Uhr ist zu spät.


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